SCHAPPY — 20. June 2005, 0:00

Wo liegt das Internet?

Haben wir uns diese Frage nicht bereits des Öfteren gestellt? Ich zumindest nicht – und das ist auch gut so. Aber mir ist mal wieder der nette Windows-Update-Assistent in den Sinn gekommen, der solch nette Anglizismen wie „Die Updates werden gedownloadet und installiert“ aufweist: „Denglish hat!“, sagt man sich da als Laie. Aber was steckt eigentlich wirklich hinter dem konditionierten downloaden herunterladen? Scheuen wir uns nicht und schauen einmal etwas genauer hin.
Der Duden sagt sazu: (her-)runterziehen, (her-)runterladen, von einem [meist größeren] Computer auf einen Arbeitsplatzcomputer übertragen und vergleichbares, kurzum eine Zusammensetzung aus „(her-)unter“ und „laden“. Und genau das macht mich ein wenig stutzig. Schließlich impliziert das Adjektiv “herunter” der Bedeutung nach „von (dort) oben“, dass sich das Internet stets oberhalb vom Nutzer respektive seines Rechners befindet. Die Sendung mit der Maus würde jetzt konstatieren: „Klingt komisch, ist aber so.“ – ich gehe noch einen Schritt weiter. Oberhalb (von was auch immer) befindet sich im Allgemeinen die Decke, das nächste Stockwert, das Dach, und früher oder später – genau – das Firmament. Atheisten haben es hier ein wenig schwierig mit der Vorstellung: es ist der Ort, an dem sich die Wolken, die Sonne, die Sterne und der Regen tagein und tagaus austoben.
Wie dem auch sei, worauf ich hinaus will: Die Internetnutzer „laden etwas herunter“, soweit nichts Verwerfliches, aber im gleichen Atemzug maßen sich selbige an auch etwas upzuloaden hochzuladen.
Gehen wir noch einen Schritt weiter, wer ist denn dem Glauben nach der Herrscher über den Himmel. Eben dieser wird also durch alle Internetnutzer gebildet und abgefragt und ist daher ein Teil all derjenigen Nutzer. Damit dies nicht in Blasphemie ausartet, möchte ich nur den Gedankenanstoß geben, dass sich das Internet vielleicht als größter Konkurrent um die Position einer etwaigen Gottheit entwickeln könnte: erstaunlich, dass sich die Kirche noch nicht um ein Verbot desselbigen ausgesprochen hat.

1 Comment »

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  1. Comment by schmidt @ 23. June 2005, 12:07

    Wie kann ich Teil von etwas sein, dass sich über mir befindet?

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